Unseren diesjährigen Sommerurlaub haben wir ganz unexotisch an der Ostsee verbracht. Ursprünglich wollten wir nach Schweden, zu einer Hochzeit von Freunden, aber die ganzen Erkältungen im Frühjahr haben uns dann doch so geschafft, das wir uns für was möglichst einfaches, entspanntes mit – falls notwendig – deutschsprachigen Ärzten – entschieden haben. Allerdings war ich Vorfeld schon etwas Verhalten in Sachen Vorfreude und habe gemerkt: Urlaub in Deutschland ist irgendwie nicht so richtig Urlaub. Die Fahrt an die Ostsee war dann auch anstrengend (vor allem die schlechte Laune einiger Herren in der Familie), obwohl wir an zwei Tagen gefahren sind. Aber Freitags mittags losfahren war halt auch nicht die beste Wahl. Nun ja, wir haben es dann doch geschafft, am Samstag gegen 17:30 Uhr in Schönberger Strand anzukommen. Zunächst war die Stimmung hier noch nicht überschwänglich: Steffen war die Wohnung zu groß, der Ort zu klein und die Leute zu dick. Mir war die Ostsee zu ruhig, der Strand zu schmal und bei Ankunft waren es nur 17 Grad – aber immerhin mit Sonne. Nachdem wir dann die nervige Anfahrt endlich alle verdaut hatten, wurde es wettermäßig auch richtig schön, so dass mein sorgfältig recherchiertes Alternativprogramm kaum genutzt wurde und wir vor allem viel am Strand waren. Und wir konnten mit jedem Tag mehr Klamotten ablegen 🙂
Linus hat es unabhängig vom Gemecker der Eltern glaube ich von Anfang an gefallen. Er hat stundenlang am Strand im Sand gespielt und gematscht, konnte an der Seebrücke frei rumlaufen ohne das irgendwelche Autos kamen und hat sich auf der Wiese rum- und den Deich runtergerollt. Die Ostsee war ihm praktischerweise zu kalt, daher mussten wir ihn auch nicht ständig vom Wasser fernhalten. Das Wasser mussten wir ihm immer in Gießkannen und Eimern holen, dazu kam er mit beidem in der Hand zu unseren Handtüchern gelaufen, hat uns mit großen blauen Augen angeschaut und so lange mit zunehmender Verzweiflung: „wasseeee“, „wasseeee“ gerufen, bis sich einer von uns erbarmt hat ihm alle Eimer und Kannen wieder aufzufüllen. Mit steigenden Temperaturen haben wir ihm dann ein Loch mit Zugang zum Meer gegraben, in dem er mit dem Wasser und dem nassen Sand nach Herzenslust rummatschen konnte. Wenn er das so ca. 2 Stunden gemacht hat, war auch der Mittagsschlaf kein Problem mehr – meistens haben wir ihn hingelegt und die Augen fielen direkt zu – die gute Ostsee-Luft wirkt da Wunder!
So ganz nebenbei war ja auch WM, was wir bei der Urlaubsplanung überhaupt nicht berücksichtigt hatten. Nach einigen netten Gemeinschafts-Events zu Hause fanden wir es schon schade, fast die gesamte WM im Urlaub zu erleben. Aber auch da hat sich ein tolle Lösung gefunden. Für die frühen Spiele waren wir am Strand von Brasilien – dem Nachbarort, der zwischen Schönberger Strand und Kalifornien liegt 😉 Dort befand sich das „inoffizielle WM-Studio“ vom ARD Morgenmagazin und ein toller Public Viewing Strand mit Sandspielzeug für die Kiddies und Liegestühlen und Bier für die Eltern. Das war echt toll! Die späten Spiele haben wir in einem Tapas-Laden geschaut, was auch sehr sehr nett war, und bei dem Spiel Deutschland vs. Brasilien, dass ja 7:1 für Deutschland ausging, auch sehr exzessiv, da für jedes deutsche Tor ein Schnaps aufs Haus gereicht wurde…
An den Tagen, die nicht ganz so warm und sonnig waren, waren wir in Kiel auf der Kieler Woche und Laboe – das Marinedenkmal und das dort ausgestellte U-Boot besichtigen – was auch sehr schön war. Außerdem sind wir mit einer alten Museumseisenbahn von Schönberger Strand (vom Museumsbahnhof) bis nach Schönberg gefahren. In der zweiten Woche war es zwar schön, aber teilweise heftig windig. Daher sind wir ins „Landesinnere“ an den Selenter See gefahren – was wirklich traumhaft war. Ein fast einsamer Badestrand aus Wiese und Sand, ganz klares Wasser und ein toller Ausblick – richtig schön. Hier ist Linus dann auch mal ins Wasser gegangen und hat das erste Mal die Schwimmflügel ausprobiert.
Insgesamt war es also – trotz holprigem Anfang – ein sehr gelungener und schöner Urlaub. Wir haben uns alle gut erholt und auch die Rückfahrt war nicht annähernd so ätzend wie die Hinfahrt, weil wir Freitags abends losgefahren und nach einer Zwischenübernachtung in Göttingen am Samstag morgen weiter gefahren sind, so dass wir Mittags in Darmstadt waren – ohne einen einzigen Stau 🙂

















